Erlebnisse einer Feuerwehranwärterin

Helau, Kameraden, Helau auch, Euch Frauen
ich wollt’ Euch heut’ emaal anvertrauen
wie’s mier in de letzte Woche ergange
seit ich bei d’r Feuerwehr angefange.

Dess ganze hatt’ jo enn Vorgeschicht
‘ss iss nemmlich so, mein Mann glaubt mir nicht
dess ich ein technisch Verständnis hann
unn auch nett, dess ich einparke kann
ich könnt’ ganz gut koche, unn werklich gut backe
unn die Litze nehe uff sei Feuerwehrjacke
was Technik beträf, so sei’s mir gegönnt
dess de Staubsaugerbeutel ich wechsele könnt.

Dann hat Dokter Oetker, ich saach’s unumwunde
im vergangene Jahr die Backmischung erfunde
mein Selbstwertgefüühl war im Keller im Nu
mein Instinkt saachte mir, wenn ich jetzt nix tu
um mein Image wieder aufzupoliern
dann könnte es rein hypothetisch passiern
dess mein Mann zu einer anneren geht
unn was ich habb’, weiß ich, ich bin ja nett bled
drumm habb’ ich beschlosse, unn fand dess echt schlau
ich werde aktiv als Feuerwehrfrau.

Zuerst lernte ich, ihr wißt’s oder denk’s euch
die Sitzordnung auf Eurerm roode Fahrzeusch
Warte, August, warte, alle sollen sie mit
oder war da was falsch, ihr seid sonst doch all so fit
danach, es ging schwer in mein Schädel enei
e Haspel gibt’s net nur inner Metzgerei
unn im praktische Üübe erlernte ich dann
wo mer Löschwasser sinnvoll hernemme kann
‘ss warn nemmlich wie immer kei Parkplätze frei
ach doch, ganz do hinne, entdeckt’ ich gleich zwei
unn wie auf dem einen vorbildlich mein Wagen
da schimpfte mein Mann, euch kann ich’s ja sagen
Du heiliger Bimbam, hast du’s nicht geseh’n
auf dem Unterflurhydranten kannst du nicht steh’n
dann nemm ich den annern, habb ich mer gedenkt
de Rückwärtsgang rinn, unn linksrum gelenkt
wass glaabt er, hott mein Alte gezetert
wie mit Schmagges enn Pfoste ich umgemetert
unn’ wie mer des Audo schließlich verlasse
den Schaden begucke, mein Mann am Erblasse
ich kann es nett ännere, ich hatt’s nett erkannt
heut waas ich’s, de Pfoste war ‘n Übberflurhüdrant.

In de nächste Woch’ war mein Männe krank
hott’s also nett mitkrieht, Gott sei Dank
Uff’m Übungsplan stand an dem Daach „Brauerei“
ich also in die Umziehkabie’ ‘nei
bis ich mich dann feuerschutzfest inngekleid’
verging im Nu enn ganz Eck voll Zeit
der Reißverschluß von dene Stiwwele klemmt
dafür ging die Hose nett übber dess Hemd
mim Hoseträscher hett ich mich selbst fast erwerscht
drei Näschel warn futsch, frisch lackiert war’n die erscht
korz unn gut, ich war halt widder die letzt’
bin hastisch nunner zu Glaabsbräu gewetzt
ich steh da im Hof unn wadde und wadde
ich denk merr, wo bleiwe die, ham die enn Pladde
wenn’s genauso lang dauert, wär hier werklich Feuer
käm’s de Richard Glaab awer ziemlich teuer
bis ich schließlich einen Gedankenblitz hatt
die Übung findet in „Kleins Brauhaus“ statt.

Se hamm mich dann trotzdem, es mußt ja so komme
e paar Woche späder emaal mitgenomme
zum echte Einsatz, mit Tatü und tata
ess hott werklich gebrennt, selbst die Presse war da
Unn als von meim Thron unterm Martinshorn
ich voller Elan aus dem Elleff raußtorn
ich war von der letzte Stuuf grad gehippt
iss die Presse fast aus de Laatsche gekippt
„Dess iss ja ne Frau“, sie konnten’s nett fasse
naja, dacht’ ich mir, sie können’s auch lasse
meines Wissens ist seit langem bekannt
daß der Herrgott nicht nur den Adam erfand
‘ss gibt immer noch Blöde, die’s noch net kapiert
ich habb die mit viel Arroganz ignoriert
bis ich dann taachs druff in de Offenbach Post
mein Gatten hätt’s fast ess Leben gekost
mit Entsetzen mich auf der Titelseit saa
ich hatt ja mei knallroode Stöckelschuh aa.
Meim Mann, dem stand’s ins Gesicht geschrieben
er wünschte, ich wäre ‘ne Hausfrau geblieben
in meiner Verzweiflung kam ich zu dem Schluß
dess ich ihn emaal übbertrumpfe muß
man muß dazu saache, er hatt Schiss vor d’r Höh
während selber freihändisch uff d’r Leiter ich steh’
aus gegebenem Anlaß habb ich dann beschlosse
die Balkonblumme wern jetzt von ausse gegosse
die Aktion war unwahrscheinlich riskant
weil die Wohnung im elfte Stock sich befand
Egal, ich wollt’ beim Geranienbewässern
mein Stil mit der Hakenleiter verbessern.

Ich habb, als die Blummeköppe schon hinge
die Leiter geschnappt, ich war guter Dinge
im erste Stock, die Leut kann ich nett leide
aber immer noch besser als die im zweide
im dridde gaab’s an dem Daach Linsensupp
im vierde der Vadder versohlt grad sein Bubb
im fünfte, die zwaa, die warn noch im Bett
schmuss meim Mann mol sooche, daß ich’s aach gern’ so hätt
im sechste war die Aussicht echt schöö
mim Tormmännche so auf einer Höh’
im siebte wurd’s mer schlecht, ich war ganz benomme
unn als ich im achte angekomme
rifft mein Mann von owwe, ess war jo der Hit
du Schussel, du host ja die Gieskann’ nett mit.

Genauso erfolgreich, abber auch sehr gefährlich
war die Fettexplosion, da bin ich ganz ehrlich
ich wußte, ich muß die Praxis erlerne
naja, dacht’ ich mir, ich versuch’s ja auch gerne
die Fritteus ganz voll mit Eel bis zum Rand
dann Wasser druff, schon hammer den Brand.
Ich hatte den Helm auf, gottseidank, mit Visier
sonst wär’ ich vielleicht schon gar nicht mehr hier
so lernt ich, meim Olle war’s einerlei
die Unfallverhütung so ganz nebenbei
Kempf hatte zu der Zeit, unn ess tat werklich not
die Innbaukiche im Angebot.

Die Weihnachtszeit kam, besinnlich unn schee
als am vierde Advent in de Keller ich geh’
ich wollte mei’m Herzblatt e Bierche serviern
bevor mer am Christbaum de Schmuck dann drapiern
seeht mei Nachbarin, abgehetzt, wohl noch vom renne
uff’m Marktplatz der Baum, tät lichterloh brenne
ich ninn in die Wohnstubb, mein Mann alarmiert
dess Bier hat den plötzlich nett mehr intressiert
wie mer hordisch unn ohne groß nachzudenke
uff de Rathausplatz unsere Schritte lenke
war von der Kapell Musik am erklinge
die Meng’ uff’m Marktplatz war herrlich am singe
unn am Weihnachtsbaume, ner prächtigen Fichte
entzündet Herr Wenzel elektrische Lichte.

Auf den Schreck, saacht’ ich, Liebling, ich lade dich ein
du sollst um dein Bier nicht gekommen sein
unsern Baum, den könne mer morje noch schmügge
doch dess mit dem Bier dess hatt’ so sei Tücke
denn wie mer beim Dobscher grad Platz genomme
iss merr’s eiskalt in de Sinn gekomme
ich hatt jo dehaam de Adventskranz noch oo
wie mier endlich dehaam, ward ihr ja schonn doo

Ess hat dann nur noch einmal gekracht
zwische mir und meim Sven, s’ war Silvesternacht
ich hatt’ ein Tischfeuerwerk hell entbrannt
von dem de Bedienhinweis ich nett fand
ess stand wohl drinn, ess sollt nur entzünde
wer von Feuerwerkskörpern eppes verstünde
ich muß noch erwähne, ss’war frisch renoviert
an dem Taach hatt de Kempf die neu Kich installiert
dess Schlimmsde jedoch, was mein Mann nett verzeiht
diesmal ging ich selbst beim Lösche zu weit
ich hatt schneller, als ich selber begriffe
nach seim allerletzte Bier gegriffe.

Ich mußt ihm verspreche, noch vor Mitternacht
im neue Jahr gebb ich besser acht
mehr noch, ich sollt’ öffentlich ess beschwörn
unn deshalb sollt’ ihr all’ dess jetzt hörn
wenn ich’s zweitausendvier noch nett besser kann
dann fang’ mim Backe ich widder an.

Helau!